OV und Katja Keul auf dem Hudes Hof

Die Familie Ehlers betreibt in Holum (Geest) ihren Hudes Hof – ein konventioneller Landwirtschaftsbetrieb mit Schweinemasthaltung und Ackerbewirtschaftung. Und auf diesen Hof haben Jörn und seine Tochter Rieke Ehlers die grüne Bundestagsabgeordnete Katja Keul eingeladen.

Katja Keul ist neben ihrer Funktion als Staatsministerin im Auswärtigen Amt auch die grüne Regionalbeauftragte für den Kreis Verden und somit unser Bindeglied nach Berlin. Katja ist der Einladung der Familie Ehlers gefolgt und hat uns – den Ortsverband Kirchlinteln – eingeladen an dem Termin teilzunehmen, was wir sehr gerne getan haben.

Schweinehaltung gem. „Initiative Tierwohl“

Nach einer kurzen Zusammenkunft im Hofladen, gingen wir direkt zum Schweinestall auf der Hofstelle. Hier werden Schweine so gehalten, wie dies der Haltungsform 2 entspricht. Jörn Ehlers berichtet, dass die Tiere gem. der „Initiative Tierwohl“ gehalten werden. Die „Initiative Tierwohl“ ist ein von der Fleischindustrie erntwickeltes Bündnis, welches den Schweinen ca. 10% mehr Stallfläche und zusätzliches – vor allem „organisches“ – Beschäftigungsmaterial zusichert.

Anschließend sind alle Teilnehmer*innen des Termins auf einen nahegelegenen Acker der Familie gefahren. Hier erörterte Rieke Ehlers wissenschaftlich fundiert die Wichtigkeit des Bodens als Ressource und stellte die Bedeutung des Bodens für den Klimaschutz durch CO2-Speicherung dar. Der Boden muss daher gegen Erosion gut geschützt werden.

„Die Zwischenfrucht ist nicht für’s Auge der Kuh – wichtig ist, was im Boden passiert.“

– Rieke Ehlers –

Rieke Ehlers demonstriert die Wichtigkeit der Zwsichenfrüchte

Der Zwischenfrucht kommt Rieke zur Folge hierbei eine besondere Bedeutung zu. Es sei eben nicht ausreichend, nur eine Sorte Senf zu pflanzen, sondern der Boden muss mit unterschiedlichen Pflanzen bestückt werden, damit diese dank der unterschiedlichen Wurzelformen den Boden in unterschiedlichen Tiefen vielfältig lockern können und so auch Nährstoffe besser binden und den Boden optimal für die eigentliche Aussaat vorbereiten. Ein bewachsener Boden ist gegen das Verwehen und Wegspülen gesichert. Aus diesem Grund sollte auch auf Bodenbearbeitung weitesgehend verzichtet werden. Jedes Pflügen, Eggen und Grubbern zerstöre nicht nur die natürlichen Bodenaufbauten, sondern gebe den Boden auch erneut der Erosion durch Wind und Wasser frei. Der Bodenerhalt und -aufbau sei zentrale Aufgabe der Landwirtschaft – auch in Hinblick auf das Klima. Rieke Ehlers verweist auf die Initiative „4 Promille“. Die Initiative sagt sinngemäß, dass ein Zuwachs von orangischem Bodenmaterial von jährlich 4 ‰ praktisch die gesamten anthropogenen Treibhausgasemissionen kompensieren könnte.

Gesunder Boden mit Wurzeln von Zwischenfrüchten

Rieke Ehlers schlägt daher die sogenannte „Direktsaat“ vor. Hierbei werden winterharte Zwischenfrüchte gepflanzt, die auf dem Feld verbleiben. Da das Sommergetreide und auch der Mais jedoch nur schwer mit Konkurenz klar kommt, muss die Zwischenfrucht im Zusammenhang mit der Aussaat abgetötet werden, um die eigentliche Aussaat nicht zu gefährden. Da ein Unterpflügen bei dieser Anbautechnik tabu sei, ginge dies jedoch nur mit einem Totalherbizid wie Glyphosat.

Wilhelm Haase-Bruns, der ebenfalls für unseren Ortsverband dabei war, eröffnete draufhin zu Recht die Diskussion. In unseren Augen kann ein Totalherbizid keine Lösung darstellen – zumal das Verbot kommen wird. Eine zukunftsfäige Landwirtschaft müsse daher Antworten haben – oder diese gemeinsam mit der Politik entwickeln.

„Ich würde BIO machen, wenn ich dahinter stehen würde.“

– Rieke Ehlers –

Reike betont, dass die BIO-Landwirtschaft für sie keine Option sei. Die Ersparnis an Herbiziden würde durch hohen maschinellen Aufwand, intensive und häufige Bodenbeareitung kompensiert werden. Dies wiederum erhöhe den Diesel-Verbrauch und produziere mehr klimaschädliche Abgaße. Weiterhin beklagt die Familie Ehlers, dass eine vielfältige Mischung an Zwischenfrüchten oft nicht gefördert werde. Dies sei insb. auch im Wasserschutzgebiet ein schlechtes Zeichen.

Schlussendlich war man sich einig: Politik und Landwirtschaft müssen gemeinsam mit dem Umweltschutz zusammenkommen und Lösungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft entwickeln, die nicht nur die Ernährungssituation weltweit sicherstellt, sondern auch den Boden und die Umwelt schützt.

Wir vom Ortsverband sind froh, eine junge Landwirtin in der Gemeinde zu haben, die aktiv den Dialog sucht, auch wenn die Meinungen nicht immer gleich sein mögen. Wir können uns gut vorstellen, den Hudes Hof erneut zu besuchen und das Gespräch um eine klimafreundliche Landwirtschaft weiter zu führen.

Auch wenn wir in Kirchlinteln auf dem Acker der Familie Ehlers sicher nicht alle Probleme lösen konnten, sind wir sicher, das Katja einige Impulse mitgenommen hat und diese nach Berlin tragen wird.

Wir danken Katja und der Familie Ehlers für den netten, informativen und lebhaften Nachmittag in Holtum.